2 Einakter:

Frühere Verhältnisse, Johann N. Nestroy
Posse

Wer ist schuldig, Franz Grillparzer
Lustspiel

Die Gegenüberstellung dieser beiden Lustspiele ist besonders interessant!
Grillparzer ist der feinen Sprache und dem klassischen Stil verpflichtet, er hat sein Stück in Reimen geschrieben. In seinem Spiel geht es um die Eifersucht zweier sich liebender Eheleute.
Der volkstümliche Dichter Nestroy schaut dem "Volk aufs Maul" und  wir amüsieren uns köstlich über die vielen lustigen Situationen.  Aber auch diesem Stück liegt die lebensnahe Situation zugrunde, dass wohlhabende Menschen durch unvorhergesehene Lebensumstände in Armut geraten können

Wer ist schuldig
Franz Grillparzer
 

Inhalt:

Der Gärtner schleicht durch den Park und nimmt heimlich aus einer Blumenvase einen Brief an sich.
Die Dame des Hauses überrascht ihn dabei. Er versucht den Brief zu verbergen, muss ihn dann aber doch hergeben. Die nur aus den Anfangsbuchstaben bestehende Unterschrift M. H., die mehre Deutungen zulässt, führt jetzt, weil auch der Gatte dazu kommt,  zu großen Verwicklungen.
Die Eheleute beginnen sich der gegenseitigen Untreue zu verdächtigen. Das geht sogar so weit, dass diese beiden Buchstaben M. und H. der Unterschrift nach und nach scheinbar zu den verschiedensten Buchstaben im ABC werden und die Frage wird brennend:
"Wer ist schuldig?"
Hier dürfen wir aber nicht mehr weiter vorgreifen, um die Spannung zu erhalten. Dass es dann dennoch, wie könnte es in einem Lustspiel anders sein, zu einem glücklichen Ende kommt, versöhnt schließlich alle wieder.

Wir haben es hier mit einem Frühwerk des Dichters zu tun, er hat es 20-jährig geschrieben. Trotz seiner Jugend spürt man doch schon die spätere Meisterschaft, Charaktere mit großer psychologischer Tiefe zu zeichnen, wie z. B. später in "Der Traum, ein Leben".
Über dem ganzen Stück aber liegt die Freude des jugendlichen Genies, Menschen aus der Phantasie zum Leben erwecken zu können.


Frühere Verhältnisse
Johann Nepomuk Nestroy

Inhalt:

Herr von Scheitermann, der reiche Holzhändler, hat die Professorstochter Josephine geheiratet.
Durch gewisse Umstände mussten sowohl das Dienstmädchen, als auch der Hausknecht entlassen werden. Auf Anordnung der Hausfrau sollen nun möglichst schnell die fehlenden Dienstboten ersetzt werden.
Muffl, einstmals Geschäftsbesitzer, durch seinen Kompagnon aber in den Konkurs getrieben, kratzt sein letztes Geld für einen Kuraufenthalt zusammen. Dort lernt er Pepi Amsel kennen und lieben, die in einem kleinen Wandertheater als Schauspielerin auftritt, früher aber als Köchin im Haushalt des Professors, Josephines Vater, tätig war.
Der "Zufall" will es, dass nun gerade diese beiden,  nämlich Pepi und Muffl, unabhängig voneinander den Dienst im Hause Scheitermann antreten.
Josephine erkennt in Pepi Amsel sogleich die ehemalige Köchin und ist froh, jetzt eine Vertraute zu haben. Pepi trifft auf Muffl, ihren Liebhaber aus der Theaterzeit und gibt sich, um sich nicht genieren zu müssen, als Dame des Hauses aus.
Um den Schwindel nicht aufkommen zu lassen bedrängt Pepi Amsel ihre neue Herrin, Muffl sofort zu entlassen. Josephine befiehlt ihrem Mann, diesbezüglich alles nötige zu veranlassen, was aber jetzt nicht mehr so leicht zu bewerkstelligen ist.
Denn: Die Situation hat sich zu Gunsten des Hausdieners insofern völlig verändert, als dieser in seinem jetzigen Herrn nunmehr seinerseits - aus den "früheren Verhältnissen" - seinen ehemaligen Hausdiener erkennt.
Die Situation scheint für Scheitermann beinahe aussichtslos und er beschwört Muffl, nur ja dieses Geheimnis nicht zu verraten. Dieser willigt ein, wenn alles zu seiner Zufriedenheit verläuft…
Die Konfusion ist perfekt, als Josephine ihren Gatten auch noch des Diebstahls verdächtigt-
Die verworrene Situation wird schließlich von Pepi Amsel aufgeklärt, was dann zu einem versöhnlichen Ende führt. -

 

Johann Nepomuk Nestroy

 geb. 7.12.1801 in Wien, gestorben 25.5.1862 in Graz.

Nestroys Großvater, der sich noch Nestrui schrieb, stammte aus dem Dorf Podvinov in Österreichisch Schlesien. Sein Vater bringt es in Wien schon zum Hof- und Gerichtsadvokaten und Nestroy selbst studierte am angesehenen akademischen Gymnasium, besuchte später das Schottengymnasium und konnte dort auch Musik- und Gesangsunterricht nehmen.

Er hatte sein erstes Engagement als Opernsänger am k.u.k. Hoftheater. Über verschiedene Theater in Deutschland kam er auch nach Amsterdam, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass seine Stimme den Strapazen des Opernbetriebes nicht gewachsen war. Er wendete sich  immer mehr den Volkskomödien zu und begann schließlich mit immer größerem Erfolg selbst Stücke zu schreiben, bei denen er meist auch die Hauptrolle spielte.

In seiner Lebenszeit haben sich bedeutende politische Veränderungen ergeben. Wurde 1789 in  Frankreich  das Feuer der Revolution gegen den herrschenden Adel gezündet, so setzten sich die Revolutionsversuche in Europa fort, bis schließlich im Jahr 1848 auch in Österreich trotz der starken Hand des Staatskanzlers Metternich die Revolution ausbrach.

Der Bau der neuen Eisenbahnen beherrschte das Wirtschaftsdenken, Nestroy verfasste dazu das Stück „Eisenbahnheiraten“. Immer wieder versuchte er, mit Witz, Spott und Satire dem Publikum einen Spiegel vorzuhalten.

Durch seine überragende, dichterische Begabung gelang es ihm, das Volk zum Lachen zu bringen. Das Publikum strömte zu seinen Vorstellungen und merkte oft erst nachher, dass es über seine eigenen Schwächen gelacht hatte.

Hoch angesehen und geehrt starb Nestroy 61-jährig in Graz.

 
Franz Grillparzer

geb. 15.1.1791 in Wien, gest. 21. 1. 1872, ebenda.

 Als Dramatiker, Erzähler, Lyriker gilt er als künstlerisch vielseitige, aber menschlich widersprüchliche Persönlichkeit. „Zwei völlig abgesonderte Wesen leben in ihm. Ein Dichter von der übergreifendsten, ja sich überstürzenden Phantasie und ein Verstandesmensch der kältesten und zähesten Art.“ (J. Sonnleithner).

Seine ersten Versuche als Dichter gehen in seine Schulzeit zurück. Aufmerksam auf ihn wurde Theaterdirektor Schreyvogel durch Grillparzers Übersetzung von „Das Leben ein Traum“, von Calderon. Dieses Werk inspirierte ihn zu seinem 1840 geschaffenen Werk „Der Traum ein Leben“. Erste Bühnenerfolge feierte der Dichter mit der „Ahnfrau“ (1817) und mit „Sappho“ (1819). Beide Stücke wurden mit Erfolg im Hofburgtheater aufgeführt.

In seiner produktivsten Zeit (1820 – 1831) hatte er viele Erfolge, musste aber gegen Unverstand und Zensur ankämpfen. „König Ottokars Glück und Ende“ z.B. wurde zwei Jahre lang von der Zensur festgehalten, erst durch Intervention einer Angehörigen des Kaiserhauses konnte das Werk 1825 aufgeführt werden.

Zu einer wahren Renaissance seiner Werke kam es erst ab 1850, nicht zuletzt durch das Wirken von Heinrich Laube, Theaterdirektor.

Grillparzer hatte seine Lebenssicherung im Staatsdienst gefunden. Er bekleidete bis zu seiner Pensionierung den Posten eines Archivars der Hofbibliothek.

Auf einer seiner Auslandsreisen traf er auch mit Goethe zusammen (1826). Die beiden Dichter konnten aber nicht zueinander finden. Grillparzer reiste enttäuscht ab.

Im Alter erhielt er hohe Auszeichnungen: Er wurde Ehrendoktor der Universitäten Wien und Leipzig und erhielt schließlich 1871 bei einer kaiserlichen Audienz das Großkreuz des Franz-Josef-Ordens.

Schon 1820 lernte er Kathi Fröhlich kennen und lieben. Es kam zu keiner Verehelichung, wohl aber blieb die Verbindung aufrecht. Er starb in den Räumen der Geschwister Fröhlich.